Alternative und komplementäre Therapien

Alternativtherapie ist eine Behandlung ohne Antiepileptika.
Komplementäre Thereapien sind Behandlungen zusätzlich zu Antiepileptika.

 

Alternative Therapiemöglichkeiten werden oft von ängstlichen Betroffenen ausprobiert. Positiv ist zwar schon, dass derjenige aktiv gegen seine Anfälle vorgehen will. Jedoch geschieht das meist nur ohne Hinzuziehung des behandelnden Neurologen/Epileptologen. Desweiteren werden oft nur Halbwissen vermittelt ("das half bei dem und dem auch").

 

Zu berücksichtigen ist immer die Anfallsform und das Alter des Betreffenden. So gibt es Epilepsien, die soz. "auswachsen" können, die also in einem bestimmten Alter aufhören können, wie z.B. die Rolando-Epilepsie. Wenn ein Kind mit dieser Epilepsieform "geheilt" wird, kann es sein, dass die Epilepsie einfach nur "aufgehört" hat. Epilepsien, die im Jugendalter beginnen, sollten keinesfalls medikamentös abgebrochen werden. Denn in dieser kritischen Phase entscheidet sich durchaus, dass Anfälle bleiben und somit die Chance, einen Führerschein zu erlangen, vertan wird.

 

Desweiteren gibt es Behandlungstechniken, die gegenteilig sogar Anfälle provozieren. Auch darüber sollte man sich vorher informiert haben. Wenn ein Therapeut keine Auskunft geben kann oder will oder über Bedenken abwehrt, ist es besser, einen anderen Therapeuten hinzuzuziehen, der bereit ist, die Behandlung einzustellen, wenn er merkt, dass es dem Patienten nicht gut tut. Evtl. sogar bereit ist, mit dem behandelnden Neurologen/Epileptologen Rücksprache zu halten. Das wäre der Optimalfall - denn dann können beide voneinander lernen.

 

Bei symptomatischen Epilepsien können Alternativmethoden richtig angewandt helfen, jedoch bei vermutlich erblich bedingten Epilepsien (idiopathisch) nicht. Bei unbekannter Epilepsie (kryptogen) kann es sein, aber auch nicht. Statt deswegen wertvolle Zeit mit eigenmächtigen Versuchen herumzuexperimentieren, Rücksprache mit einem Epileptologen oder einem Neurologen, der sich gut mit Epilepsie auskennt, zu halten.

 

Komplementäre Therapien - zur normalen Medikation von Antiepileptika - können einige Nebenwirkungen lindern oder auch dazu beitragen, dass weniger Antiepileptika eingenommen werden brauchen. Egal wie "unwissenschaftlich" eine Therapie in den Augen von Epileptologen und Neurologen ist, der zusätzliche Behandlungsversuch sollte ihnen mitgeteilt werden. Der Behandler weiß damit, dass der Betroffene aktiv gegen seine Erkrankungen vorgeht. Auch kann er eine Verbesserung oder Verschlechterung der Anfallssituation sowie Änderung der Wirkintensität der Medikamente verstehen.